Ein Rückblick auf die Blauen Stunden des WGT im Jahre 2021



Ein spannendes WGT liegt hinter uns, so klein wie im letzten Jahr und auch so schön wie im letzten Jahr. Hier ist der Rückblick auf die nächtlichen Blauen Stunden aus meiner, Franks, Sicht.

Zu allererst will ich das Wetter loben, das tatsächlich eine Pause mit den stärkeren Regenfällen über Pfingsten eingelegt hatte, uns sogar mit Sonne und Mond verwöhnte, wenngleich es nicht wirklich warm war.


Donnerstag:
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Zum Aufbau für die Blaue Stunde am Donnerstag kamen wir rechtzeitig noch vor der Abenddämmerung an der Lichtung im Connewitzer Wald an. Zu unserer Überraschung war diese aber besetzt. Ca. 15 junge Leute - alle hatten Masken auf - saßen um die Feuerstelle und bereiteten eine Demo vor. In der Hoffnung, dass sie bald fertig sein würden suchten wir schon einmal Feuerholz im Wald und ich begann, herumliegenden Müll aufzulesen. Das störte die Versammelten dann aber schon, worauf sie mich ansprachen und meinten, in einer dreiviertel Stunde mit ihrer Besprechung fertig zu sein und uns dann den "Space" zu überlassen. Das hielten sie zum Glück auch ein und so blieben uns zumindest noch 20 Minuten Vorbereitungszeit für die nächtliche Blaue Stunde.
Pünktlich mit Beginn waren mit einem Mal 30 Gäste da, das Feuer wurde entzündet, unsere leise Musik erklang, die Nacht konnte beginnen. Jetzt wurden von Marc und Uwe selbstgemachte WGT-Bändchen an die Anwesenden verteilt: "Wave Covid Treffen" in Schwarz-Grün und "2. Inoffizielles WGT 2021 #leipzigbleibtschwarz" in Schwarz-Violett. Schön anzuschauen, ich trage sie immer noch.
In den kommenden zwei Stunden erhöhte sich die Gästezahl dann auf ca. 100. Dass wir eine der ganz wenigen, wenn nicht sogar die einzige nächtliche Veranstaltung dieses beginnenden WGTs waren, merkten wir daran, dass sich Leute zu uns gesellten, die bei einem vielfältigeren Angebot sicher woanders hingegangen wären. So wurden wir eher unfreiwillig zur Auffangstation für alle, die irgendwie feiern wollten und von unserem Treffen erfahren hatten. Eine Truppe fiel dabei besonders auf, die ihre eigene kleine Bluetooth-Box mitgebracht hatten und nicht davon abzubringen waren, ihre eigene Musik zu spielen. Diese war dann zeitweise sogar lauter, als die eigentliche Blaue Stunde Musik aus unserer kleinen Box. Davon ermutigt fanden sich dann noch zwei Gitarrenspieler am Feuer, die die Kakofonie komplett machten und ihrerseits Musik spielten. Diese wirre Anarchie erinnerte mich doch sehr an den allgemeinen Spirit von Connewitz und genau dort waren wir ja auch, im Wald von Connewitz.
Trotzdessen war es für die meisten ein schöner Abend mit schönen Momenten. Man hat sich gut unterhalten, Freunde getroffen, neue Leute kennengelernt. Die meist geschlossene Wolkendecke riss in der zweiten Nachthälfte kreisrund auf, die Sterne zeigten sich und zu "Elend - The Newborn Sailor" gab es erhebende, geradezu mystische Momente.


Freitag:
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Für den Freitag hatten wir einen Ort gewählt, an dem noch nie jemals eine Party, von wem auch immer, gefeiert worden war. Wir lagerten zwischen romantisch weißblühenden Büschen in einer leichten Talsenke auf der Rückseite des Berges, der offiziell "Die Asche" heißt. Zur Vorbereitung hatten wir eine große Sense mitgebracht, die ich stilecht mit einem Sensen-Schleifstein schärfte und mit der ich im kühnen Schwung die Tanzfläche von Gras und Bewuchs befreite. Damit tauchten wir schon in den neufolkloristischen Themenkreis von Natur, Ernte, Tradition und Ursprünglichkeit ein, das Tor war geöffnet und der Abend konnte sich nun auch musikalisch in dieser Richtung fortsetzen. Aus dem abgehauenen Gras flochten die ersten Gäste ein archaisches Flechtwerk, welches die Mitte der Tanzfläche bildete, vielleicht ist es jemandem im Dunkeln aufgefallen.
Wegen seiner Abgelegenheit fiel es einigen Gästen schwer, den Weg zu uns zu finden. Luise hatte den entscheidenden Abzweig, wie auf der Website beschrieben, mit schwarzem und weißem Stoff markiert, so dass es ziemlich eindeutig war, dass es hier entlang ging. Auch ein Pfeil aus Blumen wies den weiteren Weg. Wer diese Stelle verpasste und der gesetzten Google Maps Koordinate zum Trotz geradeaus weiterlief, machte einen größeren Umweg, kam aber schließlich dann doch bei uns an.
Für das nächste Mal: Wenn wir schreiben, "bei dieser Koordinate an dieser Stelle abbiegen" dann meinen wir das genau so! Auch wenn dort auf den ersten Blick gar kein Weg zu sehen ist, es gibt ihn trotzdem. Haltet die Augen offen, sucht die Markierungen! Es ist alles auch ein bisschen wie eine Schnitzeljagd, man braucht zuweilen gewisse Pfadfinder-Skills um den Weg zur Blauen Stunde zu entdecken.
Insgesamt fanden sich ca. 70 Gäste ein, wir tanzten zu neuen und alten Stücken aus Neofolk, Darkfolk und manchen treibenden martialischen Tracks. Irgendwann begann es leicht zu regnen, zum Glück nur leicht. Die Regenwolke streifte uns kurz und gab hinterher den Blick zum Mond wieder frei. Das Bild ganz oben, fotografiert von Anne, stammt aus dieser Freitagnacht.


Samstag:
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Der Blaue Stunde Ort am Samstag war wieder der selbe, wie im Jahr zuvor. Eine Änderung gab es aber trotzdem: Da wir im Vorjahr bemerkt hatten, dass die Scheinwerfer der ein- und ausparkenden Autos vom Parkplatz bis auf die Tanzfläche leuchteten und damit jedesmal die Atmosphäre killten, befand sich der Lichterkreis diesmal etwas weiter südlich.
Lichterkreis ist auch das Stichwort für meine nächste Beobachtung an diesem Abend. Am Anfang viel zu klein dimensioniert, standen die roten Grabkerzen dann aber immer noch ständig im Weg und wurden in den späteren, alkoholhaltigeren Nachtstunden zumeist umgerannt. Daraus konnten wir lernen und diese Erfahrung floss am Montag in eine verbesserte Kerzenaufstellung mit Haltegestell ein.
Dank Alex hatten wir nun schon seit Freitag nicht mehr nur unsere kleine JBL-Rolle als musikalische Quelle - zusammen mit der Musik, die per Funk auf 92,3 MHz per Kopfhörer zu hören war - sondern vier gut klingende größere Rundboxen, deren Lautstärke aber trotzdem noch im Rahmen unserer Unauffälligkeit blieb. Technisch führte das zwar wieder dazu, dass es einen störenden zeitlichen Versatz zwischen der Musik aus diesen lauteren Boxen und der Musik per Funk gab, aber auch dafür soll es zumindest beim nächsten Mal eine Lösung geben.
Die Stimmung auf der Tanzfläche war ganz großartig, ich kann das Set von Reiner nur loben, manche Titel erzeugten einen regelrechten Sog, dem man sich nicht entziehen konnte. Spätestens heute brach sich vieles aus unserem Inneren Bahn, das durch den langen Lockdown verschüttet lag. Die Lust zu tanzen, zur Bewegung, zum Überschwang.
Heute Nacht war der Himmel meist sternenklar. So klar, dass wir alle Zeugen der Satellitenkette wurden, die einer Perlenschnur gleich über unseren Köpfen und vor unseren staunenden Augen vorüberzog. Sie sind schon über ein Jahr am Himmel, doch hatten einige der Anwesenden diese noch nie vorher gesehen, was uns verwunderte.
Obgleich am Ende jeder der Nächte für uns ein Problem, eignet sich der Morgen nach der Samstagnacht am besten, das Thema zu besprechen: Euer zurückgelassenes Leergut. Stellt Euch vor, wie wir mit einem sehr voll bepackten Anhänger am Fahrrad zum Veranstaltungsort fahren und am Ende der Nacht mit genauso viel Equipment wieder zurückfahren. Das funktioniert gut. Was aber nicht funktionieren würde, wäre alle Eure leeren Flaschen zusätzlich noch mitzunehmen, weil einfach keine Kapazität mehr dafür da ist. Und leere Flaschen gab es am Ende der Samstagnacht wirklich reichlich, zu der "üblichen" Menge kam noch extra ein ganzer Bierkasten dazu - und der war voll. Ein Dank geht an dieser Stelle raus an die letzten Gäste, die sich von uns dazu überreden ließen, das alles zusätzlich zu ihrem eigenen Gepäck auch noch mitzunehmen, damit wir es nicht in der Natur zurücklassen mussten!
Die Rechnung ist einfach: Was Ihr mitbringt und nicht wieder mitnehmt muss folglich jemand anders mitnehmen. Wenn Ihr die Verantwortung nicht übernehmt, muss sie jemand anders für Euch übernehmen. Und: Als naturverbundene Veranstaltung sollte auch Euch als unseren Gästen die Natur am Herzen liegen, denken wir zumindest. Also seid bitte in Zukunft nicht so gedankenlos! Denkt daran, Eure mitgebrachten Flaschen auch selbst wieder mitzunehmen, so wird es für niemanden eine Last und die Natur bleibt sauber!


Sonntag:
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Im zweiten Jahr des Ausnahmezustands kann man ja schon fast davon sprechen, dass die Blaue Stunde am WGT-Sonntag "traditionell" am ausgetrockneten Teich stattfindet. Dieser ist der wohl schönste der fünf Veranstaltungsorte und von allen auch der abgelegenste. Wie im letzten Jahr war diese Nacht vom Mond beschienen und die Szenerie damit sehr romantisch anzuschauen. Auch heute fanden sich wie übrigens gestern auch und dann auch am Montag ca. 100 Gäste ein, was deutlich mehr war, als bei den Vorjahresveranstaltungen, wo wir jeweils zwischen 30 und 70 Leute waren. Als Tanzfläche diente wieder der Ufervorplatz des ehemaligen Sees, eine quadratische Fläche, eingerahmt von Bäumen und Findlingen. Zum Höhepunkt der Nacht zählte ich 25 Tanzende, die Musikstücke waren gut gewählt, ein Dank geht an dieser Stelle an Tobias, alias Scarlet Carson.
Damit unser Feuer nicht bereits in den ersten Nachtstunden im weiten Park allzu verräterisch hell leuchtete, bestand es zunächst aus Holzkohlebriketts, die gleichmäßig glühten und ohne weitere Mühe eine schöne Wärme abgaben. Den Stein- und Sitzkreis um das Feuer hatten wir, Lu und ich, bereits in der Woche zuvor angelegt - eine der vielen Vorbereitungen, auf die man als Besucher nicht gleich kommen würde.


Montag:
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Beim Losfahren zum Montagsort merkten wir deutlich unsere Erschöpfung durch die letzten Nächte. Uns war jetzt schon zum ins-Bett-fallen zumute. Aber eine Nacht ging noch! Der Wetterbericht hatte Regenfälle vorhergesagt. Das konnte was werden! So schlimm es aber vorhergesagt wurde, kam es dann aber doch nicht, nur eine abgemilderte Regenvariante. Passend dazu war der Ort des Montags unter Bäumen gelegen, die die Tropfen dann auch größtenteils abhielten.
Dank zweier Helfer, die wir auf dem Hinweg trafen, ging die Vorbereitung recht gut von der Hand. Der Weg zum versteckten Ort war diesmal nicht so schwer zu finden, wie uns die meisten der Besucher bestätigten. Einige wenige verfehlten den richtigen Eingang ins Gebüsch dann aber doch und kämpften sich irgendwo anders durchs Unterholz, der Musik folgend. Der richtige Weg war recht mystisch und geheimnisvoll mit an Bäumen hängenden roten Lichtern markiert, er schlängelte sich vielleicht 100 Meter mal nach links, mal nach rechts bis zum Ort des Geschehens.
Unser Freund Archangel aus London hatte wieder wie im letzten Jahr am Montag für uns gekocht. Es gab veganes Essen, was sehr lecker war. Auch hatten wir einen Ort mit Tisch und Dach, wo wir das Essen servieren konnten: Eine Hütte, von Jugendlichen im Wald gebaut, ihr Rückzugsort zum Konsum zweifelhafter Substanzen.
Musikalisch hatte ich die ersten zwei Stunden zusammengestellt mit bekannten Titeln aus den gotischen Anfangsjahren, ab Mitternacht gab es dann die Playlist von nosce-te-ipsum (Sebastian aus München), die sehr gut ankam. Alles war wie ein Fluss, schnellere wechselten mit ruhigeren Passagen. Die Tanzfläche erstreckte sich diesmal um einen zentralen Baum herum, den man beim nächsten Mal gern noch mit Lichtern behängen könnte.
Irgendwann wurde es hell, die Nacht war vorbei und pünktlich um 4 Uhr gingen dann auch die Boxen aus, die Akkus waren leer. Wir hätten schon noch ein paar Minuten länger gemacht, aber so hat uns die Technik gesagt, dass das 2. Inoffizielle WGT jetzt zu Ende war.


Von einigen die zu Hause geblieben sind, bekam ich die Rückmeldung, wie sehr sie sich über die Streams auf Mixcloud gefreut haben und dass sie damit zumindest im Geiste bei unseren Feiern anwesend sein konnten.
Die Streams sollen nun online bleiben bis zum nächsten Jahr.
http://www.mixcloud.com/Dunkelromantik
Die zugehörigen Titellisten der einzelnen Nächte könnt Ihr Euch hier herunterladen:
Titellisten WGT 2021 - Die Blaue Stunde.rar

In diesem Sinne verbleibe ich mit guten Gedanken an ein gelungenes kleines WGT - mit heimlichen Treffen, die uns wieder zusammengeführt haben und die, wie gehofft, unentdeckt blieben.

Frank